myDriver – Social Media Inkompetenz hoch drei

Bisher war ich nie dafür, dass „Social Media Manager“ ein Ausbildungsberuf wird, da man dafür meiner Ansicht nach weit mehr Kompetenzen braucht, als man in einem Lehrgang welcher Art auch immer erlernen kann.

Im Fall von myDriver ist das Krisenmanagement allerdings so unterirdisch, dass ich dann doch dafür plädieren würde, dass nicht jeder Hans und Franz eine Facebookseite betreuen darf.

Aber von vorne: myDriver kam auf die glorreiche Idee, zur Feier der 200.000sten Fahrt (von denen auch einige auf mich gehen, aber das nur btw…) ein Gewinnspiel zu veranstalten:

mydriver.de

Unser Dankeschön: gewinnen Sie – mit Unterstützung unseres Partners HotelTonight – ein Luxus-Wochenende für 2 Personen inklusive Verwöhn-Frühstück im nhow_Berlin. Im Herzen der Hauptstadt, direkt am Spreeufer. Sightseeing in der myDriver First-Class inbegriffen.

Genauergesagt handelte es sich dabei um ein Voting:

Die Personen deren Kommentare die meisten Likes erhalten, gewinnen. Viel Glück!

Quelle: https://www.facebook.com/mydriver.de/photos/a.463961743667443.107147.413537365376548/901224129941200/?type=1&theater

Ok, ok: Es gibt immer noch Unternehmen, die nicht wissen, dass Votings Mist sind und Beschixx Tür und Tor öffnen. Müssen sie ja auch nicht – früher oder später bekommen sie die Schattenseiten wie z.B. eine Like-Flut aus Fernost schon mit 😉

Ein Luxuswochenende in Berlin hätte mir schon gut gefallen – als ich auf das Gewinnspiel stieß, war das heitere Voting schon voll im Gange, der Führende hatte etwa 40 Stimmen. Eine halbe Stunde später jedoch kam es zu einem rasanten Stimmenanstieg und der Führende lag plötzlich mit 353 Stimmen einsam an der Spitze. (Der 2. hat etwa 30 Stimmen.) Ja huch?

Bei einem solch eklatanten Stimmenunterschied hätte ich schon erwartet, dass ein fähiger Social Media Manager ein Auge darauf wirft – tat er aber wohl nicht.

Ich schon. Und tatsächlich, die Stimmen kamen ausnahmslos aus Fernost von Usern, die nicht mit demjenigen befreundet sind, sondern im Profil gerne mal Links zu „Stimmen-Kauf-Börsen“ haben – s. auch Gekaufte Votes vs. Votes von Freunden. In anderen Worten: Da hatte mal wieder jemand ein paar $ für Stimmen aus Bangladesh etc. hingelegt.

Ich hinterliess also einen Kommentar, dass Votings echt nicht sein müssen und schon gar nicht, wenn schon wieder der allseits beliebte Stimmenkauf im Gange ist, zusätzlich noch zwei Links, einer auf den Gekaufte Votes vs. Votes von Freunden-Beitrag, den anderen zum legendären Blume2000-Voting.

Am nächsten Tag musste ich erstaunt feststellen, dass

  1. mein Kommentar verschwunden war
  2. ich von der myDriver-Seite blockiert worden war und gar nicht mehr kommentieren konnte
  3. der Führende – übrigens auch im Mietwagenbusiness – immer noch einsam an der Spitze lag

WTF? Mag ja sein, dass mein Kommentar myDriver nicht zugesagt hat, aber was bitte ist das denn für ein Verhalten eines seriösen Unternehmens? Ich hätte erwartet, dass man sich in diesem Falle mit mir auseinandersetzt und den Kommentar entweder beantwortet oder wenn er schon gelöscht/verborgen wird, zumindest das Gespräch mit mir über eine FB-Nachricht sucht. Das Mindeste wäre jedoch gewesen, aus meinem Hinweis Konsequenzen zu ziehen und den Führenden zu disqualifizieren. Aber weder noch.

Krisenmanagement: Zack, gesperrt, aus die Maus und mundtot gemacht.

Als sich ein, zwei Tage später an dem Status immer noch nichts geändert hatte, schrieb ich mydriver.de eine E-Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zu meinem größten Erstaunen musste ich feststellen, dass ich auf Ihrer Facebookseite https://www.facebook.com/mydriver.de blockiert wurde.

Ich wollte als Kunde an dem Gewinnspiel https://www.facebook.com/mydriver.de/photos/a.463961743667443.107147.413537365376548/901224129941200/?type=1 teilnehmen, sah aber davon ab, da es sich 1. um ein Voting handelt und 2. der Führende eindeutig Stimmen gekauft hat.

Ich hinterließ einen sachlichen Kommentar mit 2 Links zum Thema.

Kurz darauf wurde mein Kommentar gelöscht und ich blockiert, d.h. ich kann auf der Seite nicht mehr schreiben.

Nun wollte ich nachfragen, ob das Ihre Vorstellung von Social Media Management ist?

Oder ob man es sich leisten kann, Kunden einfach so zu vergraulen?
Und warum derjenige bei Ihrem Gewinnspiel belohnt wird, der am meisten Stimmen kaufen kann?

Mir geht Ihre Social Media Strategie nicht ganz auf.

Ich erwarte fairerweise ein Statement Ihrerseits, bevor ich einen Blogartikel dazu verfasse.

Mit freundlichen Grüßen

Ich finde diese E-Mail weder unsachlich noch besonders unfreundlich, wenn man bedenkt, dass ich das Ganze schon sehr merkwürdig fand.

Bei der Antwort darauf fiel ich dann jedoch fast wieder vom Glauben ab: „Tibor von myDriver“ beschied mir nämlich, dass die Sperrung „aufgrund der von nicht dem Reglement entsprechenden Behauptung ohne Nachweis, es hätte auf der Seite einen Stimmenkauf gegeben“ stattgefunden hätte und verwies auf „Art 5 Abs. 1 GG und hier insbesondere das Recht auf persönliche Ehre innerhalb der Einzelnorm.

Srsly? Ne, oder?
Wurde aber noch besser: Die dreiste Behauptung meinerseits, es hätte „vorbei an unseren strengen Überwachungen einen Kauf von Stimmen gegeben, kommt einer Diffamierung gleich„. Und ich solle doch bitte ausführen, wie ich denn auf diese abstruse Idee kommen würde.

Kopf>Tisch, Tisch>Kopf

Ich wusste vor lauter Facepalm kaum, was ich zu dieser Ignoranz noch sagen soll. Besonders der Verweis auf Art 5 Abs. 1 GG („Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“) war in diesem Zusammenhang schon sensationell: Jeder hat also das Recht – außer mir, weil ich ja dem streng überwachenden Social Media Manager diffamierend unterstelle, dass er Manipulationen noch nicht mal dann erkennt, wenn sie ein Schild hochhalten. Himmel hilf.

Ich setze mich also eine halbe Stunde hin, schrieb dem Social Media Manager in epischer Breite, wiesoweshalbwarum usw. mit Links zu den gekauften Profilen und siehe da – zwei Tage später war der Führende tatsächlich disqualifiziert:

Wir haben festgestellt, dass ein Teilnehmer unseres Gewinnspiels versucht hat das Ergebnis zu manipulieren.
Der entpsrechende Kommentar wurde entfernt und wir weisen noch einmal auf den Absatz in unseren Teilnahmebedingungen
„Manipulationsversuche führen ebenfalls zum Ausschluss vom Gewinnspiel“ hin.
myDriver wünscht ausdrücklich, dass die Gewinner unter fairen Bedingungen und gleichen Voraussetzungen für alle ermittelt werden.
Fairplay please.

Tststs – „wir haben…“ Na, wer schmückt sich denn da mit fremden Federn? Aber sei’s drum, es ging mir ja tatsächlich um das Fairplay.
Zu meinem allergrößten Erstaunen blieb ich aber immer noch für die Seite gesperrt, obwohl ich eine E-Mail von „Sophie von myDriver“ (lt. Signatur, im E-Mail-Absender hieß sie Nicole…) bekam,  die sich freute, dass ich als „aufmerksamer User darauf bedacht bin, dass alles mit rechten Dingen von statten geht„. Sie wies mich allerdings auch daraufhin, dass mein Kommentar verborgen wurde, weil „weil dieser gegen unsere Teilnahmebedingungen, Links als Kommentar zu posten, verstößt.“ Und ich solle doch bitte in Zukunft die Teilnahmebedingungen genau durchlesen.

Da platzte mir dann doch leicht der Kragen. Abgesehen davon, dass ich an dem Gewinnspiel noch nicht mal teilgenommen hatte und somit nicht gegen irgendwelche Bedingungen verstoßen konnte, wurde es mit dem Verbot, Links zu posten (hallo? Wir sind auf Facebook! Internet! Neuland!) tatsächlich noch alberner als zuvor mit dem Hinweis auf das Grundgesetz.
Um noch mal zurück zum Ausgangspunkt zu kommen: Wer hat Stimmen gekauft, um ein Gewinnspiel zu manipulieren? Und wer hat lediglich darauf hingewiesen?

Wäre mir aber letztendlich alles egal gewesen, wenn ich nicht immer noch gesperrt gewesen wäre für meinen netten Hinweis, der sich ja als berechtigt herausgestellt hatte. Hat man bei mydriver.de etwa Angst, dass ich gar am Ende – psst! jetzt wird es ganz gewagt! – nochmal einen Kommentar auf der Facebookseite schreiben könne…? Ja, wo kämen wir da aber auch hin… 🙂

Wohlbemerkt: Ich bin bzw. war 🙂 Kunde bei dem Laden. Geht man so mit seinen Kunden um? Ernsthaft? Wenn man selbst offensichtlich von Tuten und Blasen bzw. Social Media keine Ahnung hat? Eine Entsperrung plus eine Entschuldigung wäre ja wohl das Mindeste gewesen!

Ich bat also reiflich angepixxt, aber immer noch nicht unsachlich, um eine Begründung, warum ich denn immer noch gesperrt sei? Antwort: Leider, leider, sähe sich mydriver.de nicht dazu imstande, meine Sperrung aufzuheben, diese sei aus mehreren (ungenannten!) Gründen aber gerechtfertigt. „Es ist in der Tat nicht alltäglich, dass wir Facebookusern den Zugang zu unserer Seite verweigern, dies erfolgt nur bei Community-Mitgliedern, die gegen unsere Regeln verstoßen.

Aha ok? Nicht, dass es auf der Seite überhaupt Regeln bzw. Netiquette geben würde 🙂
Ich frage mich schon: Wird jeder Kunde, der sich erdreistet, einen Link zu posten – oder gar Kritik – für immer und ewig gesperrt und mundtot gemacht?
Gibt es überhaupt ein definiertes Social Media Management, wenn mir nun schon zwei bis drei Leute schreiben, die sich einen E-Mail-Account zu teilen scheinen?
Wie wird wohl mit Kritik auf Twitter umgegangen, wo man Leute nicht einfach sperren bzw. Tweets löschen kann?

Hashtag: #kannstedirnichtausdenken. To be continued – ich habe die Kontaktdaten eines kompetenten Ansprechpartners angefodert…!

Bis dahin ein paar Links zum Thema Krisenmanagement auf Facebook:

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